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Lipödem in Deutschland: Wie viele Frauen sind betroffen?

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13.5.2026
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Dr. med. Stefan Rapprich
Facharzt für Dermatologie, Spezialist in Phleobologie & Medical Advisor
Du hast das Gefühl, deine Beine sind unverhältnismäßig zum Körperstamm? Du bist nicht allein! Schätzungen zufolge leiden Millionen Frauen in Deutschland an Lipödem. Dieser Artikel gibt dir einen Überblick über aktuelle Zahlen und Forschungsergebnisse.
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Key Takeaways

Schätzungsweise 3,8 Millionen Frauen in Deutschland sind von Lipödem betroffen – die Dunkelziffer dürfte höher liegen.
Die S2k-Leitlinie bietet evidenzbasierte Empfehlungen für Diagnose und Behandlung von Lipödem.
Mit dem DocReport erhältst du eine fachärztliche Telediagnose mit konkreten Behandlungsempfehlungen.

Das bedeutet, dass etwa jede zehnte Frau in Deutschland betroffen ist. Die tatsächliche Zahl könnte sogar noch höher liegen, da viele Betroffene jahrelang auf eine korrekte Diagnose warten – im Durchschnitt sieben Jahre. Diese Zeit ist oft geprägt von Fehldiagnosen und dem Gefühl, nicht ernst genommen zu werden. Eine aktuelle Studie von da Costa Viana (2025) deutet auf einen Zusammenhang mit Östrogen-Rezeptoren hin. Dieser Artikel gibt dir einen Überblick über die aktuelle Studienlage zur Prävalenz von Lipödem in Deutschland und zeigt dir, was diese Zahlen für deinen Therapieweg bedeuten. Wir beleuchten, warum es so wichtig ist, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen und welche Schritte du unternehmen kannst, um die bestmögliche Versorgung zu erhalten.

Lipödem: Eine weit verbreitete Erkrankung

Das Lipödem ist eine chronische Erkrankung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Es zeichnet sich durch eine unproportionale Ansammlung von Fettgewebe an den Beinen und Armen aus, oft begleitet von Schmerzen, Druckempfindlichkeit und Neigung zu blauen Flecken. Viele Betroffene berichten von einem Gefühl der Schwere und Einschränkungen im Alltag. Es ist wichtig zu verstehen, dass Lipödem keine Folge von Übergewicht oder falscher Ernährung ist, sondern eine eigenständige Erkrankung mit vermutlich genetischer Veranlagung und hormonellen Einflüssen. Die Diagnose wird oft verzögert gestellt, da die Symptome unspezifisch sein können und die Erkrankung nicht immer leicht von anderen Fettverteilungsstörungen zu unterscheiden ist. Laut der S2k-Leitlinie ist die Anamnese, Morphologie, Symmetrie, Schmerzangaben und bildliche Dokumentation entscheidend für die Diagnose. Ein Abtasten oder Ultraschall ist nicht zwingend erforderlich.

Actionable: Sprich mit deiner Ärztin über deine Symptome und bestehe auf eine gründliche Untersuchung, wenn du den Verdacht hast, an Lipödem zu leiden.

Aktuelle Studien zur Lipödem-Prävalenz

Die Prävalenz des Lipödems in Deutschland wird auf etwa 10 % der weiblichen Bevölkerung geschätzt. Das bedeutet, dass etwa 3,8 Millionen Frauen betroffen sind. Allerdings gibt es unterschiedliche Studien und Schätzungen, die auf verschiedenen Methoden und Stichprobengrößen basieren. Einige Studien gehen von einer noch höheren Dunkelziffer aus, da viele Frauen mit Lipödem nicht diagnostiziert werden. Dies liegt unter anderem daran, dass die Symptome oft als Übergewicht oder Lymphödem fehlinterpretiert werden. die Prävalenzzahlen nur Schätzungen sind und die tatsächliche Zahl der Betroffenen möglicherweise höher liegt. Die Forschung zur Prävalenz des Lipödems ist ein wichtiger Schritt, um das Bewusstsein für die Erkrankung zu schärfen und die Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Al-Ghadban et al. (Anmerkung: Die Stadieneinteilung nach Al-Ghadban ist noch nicht etabliert und nicht Leitlinien-konform.) haben 2024 eine neue Charakterisierung der Lipödem Stadien veröffentlicht, die in zukünftigen Studien berücksichtigt werden sollte.

Actionable: Informiere dich über aktuelle Studien und Forschungsergebnisse, um dein Wissen über Lipödem zu erweitern und informierte Entscheidungen über deine Behandlung zu treffen. Nutze dafür die LipoCheck-App als Wissensbibliothek.

Warum die Prävalenz-Zahlen wichtig sind

Die Prävalenz-Zahlen sind aus mehreren Gründen von Bedeutung. Erstens helfen sie, das Ausmaß des Problems zu erkennen und das Bewusstsein für Lipödem in der Öffentlichkeit und bei medizinischem Fachpersonal zu schärfen. Zweitens können sie dazu beitragen, die Ressourcen im Gesundheitswesen besser zu planen und die Versorgung der Betroffenen zu verbessern. Wenn bekannt ist, wie viele Frauen von Lipödem betroffen sind, können gezieltere Maßnahmen zur Früherkennung, Diagnose und Behandlung entwickelt werden. Drittens können die Zahlen als Grundlage für weitere Forschung dienen, um die Ursachen und Risikofaktoren des Lipödems besser zu verstehen. Die G-BA QS-Richtlinie zur Liposuktion basiert auf dieser Evidenz und hat zur Aufnahme der Liposuktion als Kassenleistung ab 2026 geführt.

Actionable: Teile dein Wissen über Lipödem mit anderen Frauen und unterstütze Initiativen, die sich für eine bessere Versorgung von Lipödem-Patientinnen einsetzen.

Forschung zu Ursachen und Risikofaktoren

Die genauen Ursachen des Lipödems sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung, hormonellen Einflüssen und anderen Faktoren eine Rolle spielt. Studien deuten darauf hin, dass Lipödem familiär gehäuft auftritt, was auf eine genetische Komponente hindeutet. Hormonelle Veränderungen, wie sie in der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause auftreten, können ebenfalls eine Rolle spielen. Aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Identifizierung spezifischer Gene und Signalwege, die an der Entstehung des Lipödems beteiligt sind. Eine aktuelle Studie von da Costa Viana (2025) deutet auf einen Zusammenhang mit Östrogen-Rezeptoren hin. Auch Lebensstilfaktoren wie Ernährung und Bewegung werden untersucht, obwohl Lipödem nicht durch diese Faktoren verursacht wird.

Actionable: Achte auf familiäre Häufungen von Lipödem und sprich mit deiner Ärztin, wenn du Risikofaktoren bei dir feststellst.

Die S2k-Leitlinie: Was sie für dich bedeutet

Die S2k-Leitlinie ist eine wichtige Grundlage für die Diagnose und Behandlung von Lipödem in Deutschland. Sie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie (DGP) entwickelt und bietet evidenzbasierte Empfehlungen für die verschiedenen Aspekte der Erkrankung. Die Leitlinie betont die Bedeutung einer frühzeitigen Diagnose und einer umfassenden Behandlung, die sowohl konservative Maßnahmen als auch operative Eingriffe umfassen kann. Für dich als Betroffene bedeutet die Leitlinie, dass du Anspruch auf eine qualitätsgesicherte Versorgung hast, die auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft basiert. Die Leitlinie hilft Ärztinnen und Ärzten, eine fundierte Diagnose zu stellen und einen individuellen Behandlungsplan zu entwickeln. Die S2k-Leitlinie (AWMF, Januar 2024) ist die aktuell gültige Leitlinie.

Actionable: Informiere dich über die S2k-Leitlinie und sprich mit deiner Ärztin über die darin enthaltenen Empfehlungen.

Dein nächster Schritt: Fachärztliche Diagnose

Wenn du den Verdacht hast, an Lipödem zu leiden, ist der nächste Schritt eine fachärztliche Diagnose. Spezialisten für Lipödem sind in der Regel Phlebolog:innen, Lympholog:innen oder Gefäßchirurg:innen. Diese Ärzt:innen verfügen über die notwendige Expertise, um die Erkrankung sicher zu diagnostizieren und einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Im Rahmen der Diagnose werden in der Regel eine ausführliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren durchgeführt. Die Diagnose basiert auf den klinischen Kriterien des Lipödems, wie der unproportionalen Fettverteilung, den Schmerzen und der Druckempfindlichkeit. Mit dem DocReport erhältst du eine fachärztliche Telediagnose mit konkreten Behandlungsempfehlungen. Dieser kann deiner Hausärztin als Grundlage für Verordnungen dienen. Die Kosten dafür betragen einmalig 48,26 € (GoÄ).

Actionable: Vereinbare einen Termin bei einer Spezialistin oder einem Spezialisten, um eine sichere Diagnose zu erhalten und deinen individuellen Therapieweg zu planen. Starte dazu den Fragebogen in der LipoCheck-App.

Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, um eine individuelle Diagnose und Behandlung zu erhalten.

Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Rechtliche/regulatorische Vorgaben (z. B. des G-BA) können sich ändern. Maßgeblich sind die individuelle ärztliche Beratung und die aktuell gültigen Richtlinien. Stand der Angaben: 15.04.2026

FAQ

Meine Ärztin sagt, Lipödem sei selten – stimmt das?

Nein, das stimmt so nicht. Obwohl Lipödem oft nicht erkannt wird, ist es mit schätzungsweise 10 % der weiblichen Bevölkerung in Deutschland weit verbreitet. Es ist wichtig, dass du deine Symptome ernst nimmst und gegebenenfalls eine zweite Meinung einholst.


Kann ich Lipödem selbst diagnostizieren?

Eine Selbstdiagnose ist schwierig, da die Symptome unspezifisch sein können. Wenn du jedoch den Verdacht hast, an Lipödem zu leiden, solltest du dich von einer Ärztin oder einem Arzt untersuchen lassen, die oder der Erfahrung mit der Diagnose und Behandlung von Lipödem hat.


Gibt es regionale Unterschiede in der Lipödem-Prävalenz?

Es gibt keine gesicherten Daten zu regionalen Unterschieden in der Lipödem-Prävalenz in Deutschland. Es ist jedoch möglich, dass die Diagnosehäufigkeit in Regionen mit einer besseren Versorgungslage höher ist. Sprich mit deiner Ärztin über regionale Spezialisten.


Welche Rolle spielt die Genetik bei Lipödem?

Es wird vermutet, dass Lipödem eine genetische Komponente hat, da die Erkrankung familiär gehäuft auftritt. Allerdings sind die spezifischen Gene, die an der Entstehung des Lipödems beteiligt sind, noch nicht vollständig identifiziert. Achte auf familiäre Häufungen und informiere deine Ärztin.


Wie finde ich Selbsthilfegruppen für Lipödem in meiner Nähe?

Selbsthilfegruppen bieten eine wertvolle Unterstützung und die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Du findest Selbsthilfegruppen über das Internet, über deine Ärztin oder über die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie.


Kann ich durch Sport und Ernährung Lipödem verhindern?

Nein, Lipödem ist keine Folge von falscher Ernährung oder mangelnder Bewegung. Allerdings können eine gesunde Lebensweise und regelmäßige Bewegung dazu beitragen, die Symptome zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.