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Lipödem vs. Lymphödem erkennen

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Lipödem oder Lymphödem? Unterschiede erkennen und richtig handeln

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7.4.2026
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Minuten
Dr. med. Stefan Rapprich
Facharzt für Dermatologie, Spezialist in Phleobologie & Medical Advisor
Deine Beine fühlen sich schwer an und sind anfällig für blaue Flecken? Du bist unsicher, ob es sich um ein Lipödem oder Lymphödem handelt? Dieser Artikel hilft dir, die Unterschiede zu erkennen und den richtigen Therapieweg einzuschlagen.
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Key Takeaways

Lipödem und Lymphödem sind unterschiedliche Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen, aber unterschiedlichen Ursachen.

Eine frühzeitige und korrekte Diagnose ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität zu verbessern.

Der DocReport (fachärztliche Telediagnose) bietet eine fachärztliche Telediagnose und kann dem Hausarzt als Grundlage für Verordnungen dienen.

Durchschnittlich vergehen 7 Jahre, bis eine Frau mit Lipödem die korrekte Diagnose erhält. Ein Grund dafür ist die Verwechslung mit anderen Erkrankungen wie Lymphödem oder Adipositas. Diese Verwechslung führt oft zu unnötigen Therapieversuchen und einer langen Leidenszeit. Viele Betroffene berichten von einem Gefühl der Hilflosigkeit, da ihre Beschwerden nicht ernst genommen werden. Dabei ist eine frühzeitige Diagnose entscheidend, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und die Lebensqualität zu verbessern. Bist du unsicher, welche Erkrankung bei dir vorliegt? Dieser Artikel hilft dir, die Unterschiede zu erkennen und den ersten Schritt zur richtigen Diagnose zu machen.

Lipödem und Lymphödem: Zwei unterschiedliche Erkrankungen

Lipödem und Lymphödem sind beides chronische Erkrankungen, die Schwellungen in den Extremitäten verursachen. Obwohl sie ähnliche Symptome aufweisen können, sind ihre Ursachen und Behandlungsansätze grundverschieden. Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung, die fast ausschließlich Frauen betrifft. Dabei vermehrt sich das Unterhautfettgewebe an Beinen und/oder Armen symmetrisch. Im Gegensatz dazu ist das Lymphödem eine Störung des Lymphsystems, bei der Lymphflüssigkeit nicht ausreichend abtransportiert wird und sich in den Geweben staut. Diese Stauung kann durch angeborene Defekte des Lymphsystems oder durch äußere Einflüsse wie Operationen oder Infektionen verursacht werden. Es ist wichtig zu verstehen, dass das Lipödem keine "normale" Fettleibigkeit ist und sich auch nicht durch Diäten oder Sport allein beseitigen lässt. Die Erkrankung ist genetisch bedingt und betrifft oft mehrere Frauen in einer Familie. Das Lymphödem hingegen kann sowohl angeboren sein als auch im Laufe des Lebens entstehen und Männer wie Frauen betreffen. Um die richtige Diagnose zu erhalten, ist es entscheidend, die spezifischen Symptome und Ursachen beider Erkrankungen zu kennen.

Actionable: Erstelle eine Liste deiner Symptome und notiere, wann sie auftreten und wodurch sie sich verschlimmern oder verbessern. Diese Informationen helfen dir und deinem Arzt bei der Diagnosefindung.

Die typischen Symptome des Lipödems erkennen

Das Lipödem äußert sich durch eine Reihe von charakteristischen Symptomen. Dazu gehören eine symmetrische Zunahme des Fettgewebes an Beinen und/oder Armen, die im Verhältnis zum Körperstamm unverhältnismäßig wirkt (Disproportion). Betroffene berichten oft von Druckschmerzen und einer erhöhten Neigung zu blauen Flecken, auch ohne erkennbare Ursache. Die Haut kann sich knotig anfühlen, ähnlich wie knotenartige Hautoberfläche, aber oft schmerzhafter. Ein weiteres typisches Merkmal ist, dass sich die Füße und Hände nicht mitverändern – es entsteht ein sogenannter "Fettkragen" oberhalb von Knöcheln und Handgelenken. Im fortgeschrittenen Stadium kann das Lipödem zu Bewegungseinschränkungen und Gelenkproblemen führen. Die Schmerzen werden oft als dumpf, drückend oder brennend beschrieben und können sich im Laufe des Tages verstärken. Es ist wichtig zu betonen, dass das Lipödem nicht durch Übergewicht verursacht wird, obwohl es bei übergewichtigen Frauen häufiger vorkommt. Auch schlanke Frauen können betroffen sein. Die Erkrankung verläuft in Stadien, wobei die Symptome im Laufe der Zeit zunehmen können. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können jedoch den Verlauf positiv beeinflussen. Um die Diagnose zu beschleunigen, kann der fachärztliche DocReport hilfreich sein, der eine erste Einschätzung und Behandlungsempfehlungen liefert.

Actionable: Mache Fotos deiner Beine und Arme aus verschiedenen Perspektiven, um die Symmetrie der Fettverteilung zu dokumentieren. Dies kann deinem Arzt helfen, die Diagnose zu stellen.

Lymphödem: Ursachen und Symptome

Im Gegensatz zum Lipödem ist das Lymphödem eine Erkrankung des Lymphsystems. Dieses System ist für den Abtransport von Lymphflüssigkeit aus dem Gewebe verantwortlich. Wenn die Lymphgefäße beschädigt oder blockiert sind, kann die Lymphflüssigkeit nicht mehr richtig abfließen und staut sich im Gewebe. Dies führt zu Schwellungen, die in der Regel asymmetrisch auftreten, also beispielsweise nur ein Bein oder ein Arm betreffen. Die Haut kann sich gespannt und hart anfühlen, und es kann zu wiederholten Infektionen kommen. Im fortgeschrittenen Stadium kann sich das Gewebe verhärten (Fibrose) und die Beweglichkeit einschränken. Ursachen für ein Lymphödem können angeborene Fehlbildungen des Lymphsystems sein (primäres Lymphödem) oder äußere Einflüsse wie Operationen, Bestrahlungen, Infektionen oder Verletzungen (sekundäres Lymphödem). Besonders häufig tritt ein Lymphödem nach Brustkrebsoperationen auf, bei denen Lymphknoten entfernt wurden. Die Diagnose wird in der Regel durch Anamnese, Morphologie, Symmetrie und Schmerzangaben gestellt. Ergänzend können bildgebende Verfahren wie Lymphszintigraphie gestellt. Die Therapie zielt darauf ab, den Lymphabfluss zu verbessern und die Schwellung zu reduzieren. Dazu gehören manuelle Lymphdrainage, Kompressionstherapie, Bewegungstherapie und Hautpflege.

Actionable: Überprüfe regelmäßig deine Haut auf Veränderungen wie Rötungen, Schwellungen oder Verhärtungen. Bei Auffälligkeiten solltest du umgehend einen Arzt aufsuchen.

Lipödem vs. Lymphödem: Die wichtigsten Unterschiede in der Übersicht

Um Lipödem und Lymphödem sicher zu unterscheiden, ist es hilfreich, die wichtigsten Unterschiede zu kennen. Das Lipödem betrifft fast ausschließlich Frauen, während das Lymphödem Männer und Frauen betreffen kann. Das Lipödem ist in der Regel symmetrisch, das Lymphödem oft asymmetrisch. Beim Lipödem sind Füße und Hände in der Regel nicht betroffen, beim Lymphödem können sie mit anschwellen. Lipödemschmerzen werden oft als Druckschmerz beschrieben, während Lymphödemschmerzen eher ein Spannungsgefühl verursachen. Ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal ist das Stemmer-Zeichen: Beim Lymphödem lässt sich die Haut an der Zehe oder dem Finger nicht oder nur schwer abheben, während dies beim Lipödem problemlos möglich ist. Auch die Ursachen sind unterschiedlich: Das Lipödem ist eine Fettverteilungsstörung unbekannter Ursache, während das Lymphödem eine Störung des Lymphsystems ist. Die Therapieansätze unterscheiden sich ebenfalls: Beim Lipödem kann eine Liposuktion in bestimmten Fällen sinnvoll sein, während beim Lymphödem die konservative Therapie im Vordergrund steht. beide Erkrankungen auch gemeinsam auftreten können (Lipolymphödem). Eine genaue Diagnose durch einen erfahrenen Arzt ist daher unerlässlich.

Actionable: Führe einen einfachen Selbsttest durch: Versuche, die Haut an der Zehe oder dem Finger abzuheben. Wenn dies nicht möglich ist, könnte ein Lymphödem vorliegen.

Weitere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen

Neben Lipödem und Lymphödem gibt es weitere Erkrankungen, die ähnliche Symptome verursachen können und daher differentialdiagnostisch abgeklärt werden müssen. Dazu gehört die Adipositas (Fettleibigkeit), bei der es sich um eine generalisierte Zunahme des Körperfetts handelt. Im Gegensatz zum Lipödem ist die Fettverteilung bei Adipositas in der Regel gleichmäßig über den Körper verteilt. Eine weitere Erkrankung ist die Lipohypertrophie, bei der es sich um eine isolierte Fettvermehrung handelt, die nicht mit Schmerzen oder Druckempfindlichkeit einhergeht. Auch venöse Erkrankungen wie Krampfadern oder eine chronisch-venöse Insuffizienz können zu Schwellungen in den Beinen führen. In seltenen Fällen können auch internistische Erkrankungen wie Herz- oder Niereninsuffizienz Ödeme verursachen. Es ist daher wichtig, eine gründliche Anamnese, Morphologie, Schmerzangaben und bildlicher Dokumentation durchzuführen, um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln. Gegebenenfalls sind weitere diagnostische Maßnahmen wie Blutuntersuchungen, Ultraschall oder Lymphszintigraphie erforderlich. Eine korrekte Diagnose ist entscheidend, um die richtige Therapie einzuleiten und unnötige Behandlungen zu vermeiden.

Actionable: Sprich mit deinem Arzt über alle deine Vorerkrankungen und Medikamente, die du einnimmst. Diese Informationen können bei der Diagnosefindung hilfreich sein.

Der Weg zur richtigen Diagnose

Der Weg zur richtigen Diagnose bei Lipödem oder Lymphödem kann manchmal langwierig sein. Viele Betroffene berichten von Arztbesuchen, bei denen ihre Beschwerden nicht ernst genommen oder falsch interpretiert werden. Es ist daher wichtig, sich gut zu informieren und einen Spezialisten aufzusuchen, der Erfahrung mit der Diagnose und Behandlung von Lipödem und Lymphödem hat. Im ersten Schritt sollte eine ausführliche Anamnese, Morphologie, Schmerzangaben und bildlicher Dokumentation erfolgen. Dabei werden die Symptome, die Krankheitsgeschichte und eventuelle Risikofaktoren erfasst. Anschließend können weitere diagnostische Maßnahmen wie Ultraschall, Lymphszintigraphie oder das Stemmer-Zeichen durchgeführt werden. Es ist ratsam, sich vor dem Arztbesuch gut vorzubereiten und alle relevanten Informationen zusammenzustellen. Dazu gehören eine Liste der Symptome, Fotos der betroffenen Körperregionen und Informationen über eventuelle Vorerkrankungen und Medikamente. Scheue dich nicht, Fragen zu stellen und deine Bedenken zu äußern. Eine offene und vertrauensvolle Kommunikation mit deinem Arzt ist entscheidend für eine erfolgreiche Diagnose und Behandlung. Nutze auch die Möglichkeit, dich mit anderen Betroffenen auszutauschen und von ihren Erfahrungen zu profitieren. Selbsthilfegruppen und Online-Foren können eine wertvolle Unterstützung sein.

Actionable: Suche dir einen Arzt, der sich auf Lipödem oder Lymphödem spezialisiert hat. Frage in Selbsthilfegruppen nach Empfehlungen oder recherchiere im Internet nach geeigneten Ärzten in deiner Nähe.

Disclaimer: Dieser Artikel dient nur zu Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden solltest du immer einen Arzt oder Apotheker konsultieren.

Die Inhalte ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Rechtliche/regulatorische Vorgaben (z. B. des G-BA) können sich ändern. Maßgeblich sind die individuelle ärztliche Beratung und die aktuell gültigen Richtlinien. Stand der Angaben: 27.02.2026

FAQ

Meine Beine schwellen im Laufe des Tages an. Ist das ein Lipödem oder Lymphödem?

Schwellungen im Laufe des Tages können sowohl bei Lipödem als auch bei Lymphödem auftreten. Beim Lipödem sind die Schwellungen meist symmetrisch und betreffen beide Beine gleichmäßig. Beim Lymphödem können sie asymmetrisch sein. Beobachte, ob die Schwellungen mit Druckschmerzen einhergehen (eher Lipödem) oder ob sich die Haut gespannt anfühlt (eher Lymphödem). Dokumentiere, wann die Schwellungen auftreten und wie stark sie sind. Diese Informationen sind wichtig für deinen Arzt.


Kann ich Lipödem und Lymphödem gleichzeitig haben?

Ja, es ist möglich, dass Lipödem und Lymphödem gleichzeitig auftreten. Dies wird als Lipolymphödem bezeichnet. In diesem Fall kommen die Symptome beider Erkrankungen zusammen. Die Diagnose und Behandlung sind dann besonders komplex und erfordern eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Fachärzten. Sprich mit deinem Arzt über diese Möglichkeit, wenn du Symptome beider Erkrankungen bei dir feststellst.


Was ist das Stemmer-Zeichen und wie wird es getestet?

Das Stemmer-Zeichen ist ein klinischer Test, der zur Unterscheidung zwischen Lipödem und Lymphödem eingesetzt wird. Dabei wird versucht, die Haut an der Zehe oder dem Finger abzuheben. Wenn dies nicht oder nur schwer möglich ist, ist das Stemmer-Zeichen positiv und deutet auf ein Lymphödem hin. Beim Lipödem ist das Stemmer-Zeichen in der Regel negativ. Der Test sollte von einem Arzt oder Therapeuten durchgeführt werden.


Kann ich selbst etwas tun, um die Symptome zu lindern?

Ja, du kannst selbst einiges tun, um die Symptome von Lipödem und Lymphödem zu lindern. Dazu gehören regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, das Tragen von Kompressionsstrümpfen und eine sorgfältige Hautpflege. Vermeide langes Stehen oder Sitzen und lagere die Beine hoch, um den Lymphabfluss zu fördern. Bei Bedarf kann auch eine manuelle Lymphdrainage helfen. Sprich mit deinem Arzt oder Therapeuten über die für dich geeigneten Maßnahmen.


Welche Ärzte sind auf Lipödem und Lymphödem spezialisiert?

Für die Diagnose und Behandlung von Lipödem und Lymphödem sind verschiedene Fachärzte zuständig. Dazu gehören Phlebologen (Venenspezialisten), Lymphologen (Lymphsystemspezialisten), Angiologen (Gefäßspezialisten) und Hautärzte. Auch Physiotherapeuten und Lymphtherapeuten können eine wichtige Rolle in der Behandlung spielen. Frage deinen Hausarzt nach einer Überweisung zu einem Spezialisten oder recherchiere im Internet nach geeigneten Ärzten in deiner Nähe.


Wie finde ich einen guten Arzt/eine gute Ärztin für Lipödem oder Lymphödem?

Einen guten Arzt oder eine gute Ärztin für Lipödem oder Lymphödem findest du am besten, indem du dich in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren nach Empfehlungen erkundigst. Achte darauf, dass der Arzt oder die Ärztin Erfahrung mit der Diagnose und Behandlung von Lipödem und Lymphödem hat und sich regelmäßig fortbildet. Ein gutes Zeichen ist auch, wenn der Arzt oder die Ärztin sich Zeit für ein ausführliches Gespräch nimmt und deine Fragen beantwortet.